Krakau (das 1. Mal - 2011), Uncategorized

Sterben in Polen

Menschen sterben. Sie werden ermordet oder haben einen anderen Unfall oder sterben einfach so. Als ich heute Morgen bei meiner Arbeit angekommen war, atmete ich tief durch und wischte mir den Schweiß von der Stirn, denn ich war wieder einmal so gerade eben dem Tod entronnen.

Falls ich in Polen sterben sollte, dann wird es auf dem alltäglichen Weg zu meiner Arbeit geschehen. Da bin ich der festen Überzeugung.

Es könnte geschehen, wenn ich aus der Haustür getreten bin. Ein Auto könnte mich auf dem Zebrastreifen überfahren, den ich auf dem Weg zur Tramstation überqueren muss und der von etwa 2 % aller Autorfahrerinnen und Autofahrer ernst genommen wird. Das sind Ausländer, die sich von Zeit zu Zeit in meine Straße verirren.

Ein Auto könnte mich auch überfahren, weil es nicht wartet, während ich in die Tram einsteige. Wie gesagt, hier sind manchmal Ausländer.

Allerdings könnte mich auch die Tram umnieten, während ich umsteige. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering und könnte höchstens an einem Montagmorgen passieren, wenn ich sehr müde und unaufmerksam bin.

Allerdings muss ich dann 15 Minuten warten. Ich könnte erfrieren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Und wird noch höher werden.

Wenn ich dann in meinen Bus einsteigen möchte, könnte es passieren, dass ich von einer Polin in dickem Pelz und mit Babuschkaschal über dem Kopf von einer Rübe, einem Kürbis oder einem Blumenstrauß erschlagen werde, die sich verbissen einen Sitzplatz erkämpfen möchte. Sollte ich wider Erwarten sitzen können, fällt die Möglichkeit, dass ich im Bus erdrückt werde weg. Aber wenn der Bus in Graben/Baum/Haus/Auto rast (Wahrscheinlichkeit sehr hoch und mit Eisstraßen steigend) sind alle dran, egal ob sitzend oder stehend.

Gegen diese Wahrscheinlichkeit erscheint die letzte Möglichkeit schließlich lachhaft unwahrscheinlich. Wenn ich nämlich diesen Bus wieder leben verlassen kann, könnte es passieren, dass mein Kreislauf bei dem Verlassen des Alkohol/Schweiß/Menschen-Dunst und Betreten der kalten Winterfrostluft außerhalb des Busses zusammenklappt und ich – ignoriert vom davonrasenden Bus – einfach liegen bleibe und schlussendlich docherfriere.

Ich weiß nicht genau, ob ich weiterhin zur Arbeit fahren möchte.

Immerhin ist es spannend.

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