Krakau (das 1. Mal - 2011), Uncategorized

Verschneite Stadt

Auf der Wisła hat sich eine dünne Eisschicht gebildet, stark genug um die Enten und Möwen zu tragen, die sich aufgeplustert aneinander drücken, stelle ich fest, als ich mit steifen Fingern und roter Nase auf meinen Bus warte.

Die Marienkirche im Schnee
Die Marienkirche im Schnee

Die Sonne scheint hell – muss sagen „grell“ – aber vielleicht scheint es mir auch nur so, weil ich viel zu lange keine richtige Sonne mehr gesehen habe, außer dem wässrigen Licht, das von Zeit zu Zeit durch die Häuser fällt oder weil sie von dem strahlend weißen Schnee reflektiert wird. Auf der schmalen Holzbank unter dem wackeligen Bushäuschen aus verschmiertem Glas drücken sich alte Frauen in dicken Mänteln und mit von Falten zerfurchten Gesichtern aneinander und vergraben ihr Gesicht in massigen Schals, während sie einander beipflichten, dass es zu kalt sei und man auf das Frühjahr warte. Es ist bitterkalt, die Luft schneidend und klar, die ganze Stadt gepuderzuckert.
Aber ich kann – und möchte – nicht leugnen, dass es schön ist. Mit dem Schnee ist eine Ruhe eingekehrt, eine Klarheit in der turbulenten, lebendigen Stadt.
Irgendwann kommt der Bus und bringt mich ruckelnd über geschlängelte Straße aus dem Stadtzentrum. Die Sonne malt Schattenmuster durch die kahlen Bäume und über der ländlichen Landschaft am Stadtrand thront erhaben das alte Kloster, dessen grünen Türmen der Schnee einen neuen Anstrich verpasst hat, inzwischen des schwarzen Waldes und kahlen Weinbergen.
Der Blick durch die Busfenster ist grau und verschwommen, aber dennoch strahlt die verschneite Stadt und liegt da wie eine schweigende Schönheit.

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