Krakau (das 1. Mal - 2011), Uncategorized

Krakauer Klerus

Nun muss ich doch einmal etwas über all den Klerus in Krakau schreiben, auch auf die Gefahr hin, dass ich daraufhin eventuell in die Hölle verbannt werde.

Krakau ist eine der Städte mit der höchsten Bar- und Klubdichte (über 200 Kellerkneipen). Kaum zu glauben also, dass es auch eine der Städte mit der höchsten Kloster- und Kirchendichte ist (über 100). Und zwar keine langweiligen, modernen Neuzeitbauten, nein, Kirchen in dessen prunkvoller Goldverzierung bis an die hohen Decken der nassstaubige Mief jahrhunderterlangen Katholizismus steckt.

In den alten Mauern der anliegenden Klöster und Konvente hausen und beten Männer oder Frauen in weißen, grauen, schwarzen, braunen oder dunkelblauen Gewändern und laufen mit gesenktem Blick und hastigem Schritt über das Kopfsteinpflaster der Altstadt. Von Zeit zu Zeit heben sie den Kopf mit gerunzelter Stirn und mustern mit zusammengekniffenen Lippen das wollüstige und frevelhafte Leben aller anderen. Einzig traurige Gestalten, die einsam umherwandeln, kriegen zwar kein mildes Lächeln, aber wenigstens ein segnendes Nicken.

Ich kriege in der Regel einen vernichtenden Fegefeuerblick. Das verstehe ich, wenn mein Rock kurz ist. Oder meine Schuhe hoch. Aber an Tagen, an denen ich Jeans, Chucks und Rolli trage, finde ich das nicht fair.

Ich frage mich, was diese Leute dazu bringt, sich für solch ein Leben zu entscheiden, wenn es sie doch so zu verbittern scheint. Immerhin ist bekannt, dass ein Mensch von Zeit zu Zeit ein bisschen Ausgelassenheit, ein bisschen Zweisamkeit und ein bisschen Freiheit braucht. Aber nein.

Da ist dann so eine junge Frau an Gott gebunden und kann sich nicht einmal der kleinsten Fantasie hingeben, weil das frevelhaftes Verstoßen gegen eine Menge der 10 Gebote wäre. Erstens so von wegen Gottesabbild und dann wegen der Fantasie allein, da müsste sie wohl schon eine Menge Rosenkränze beten.

Mir scheint, die meisten Nonnen und Mönche hier haben etwas gegen Lebensfreude. Das ist mir unsympathisch.

Und noch was. Dann hocken die den ganzen Tag auf ihren Höckerchen vor einem Folterinstrument, drehen an aufgefädelten Perlen und beten dafür. Dass sich etwas ändert und die Welt besser wird. Schwuppdiwupp, Sintflut, Feuer oder so und futsch alle Gottlosen. Das träfe dann wohl auch mich. Ich will mich nicht zur Show stellen, aber ich hab wenigstens eine Menge Ehrenamt geleistet. Und manchmal gehe ich in eine dieser Prachtbauten und zünde eine Kerze an. Und dann bete ich. Für Gerechtigkeit und Vernunft der ganzen Welt und der Katholiken.

*tut mir wirklich Leid, hier so verallgemeinernd niederschmetternd zu sein. Ich weiß, dass es auch nette, hilfsbereite und soziale Nonnen und Mönche gibt, die das Bier teilen, das sie trinken.

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