Krakau (das 1. Mal - 2011), Uncategorized

Bild im Park

Es ist ein Jammer, dass Fotos nur einen Bruchteil des Bildes einfangen, dass man erinnern möchte. Ich würde am liebsten alles, alles, alles in meiner kleinen Kamera speichern. Nicht, weil ich befürchte, ich könne allzu schnell vergessen, sondern vielmehr, weil ich gerne alle an der Pracht meiner gesamten Eindrücke teilhaben lassen würde.

An der Amsel, die direkt über mir in der Kastanie tschilpt. Und an all den anderen Vögeln, die etwas weiter entfernt zwitschern und tirillieren. An dem Turmwächter, der zur vollen Stunde bläst. An Gelächter und Lächeln, die von Zeit zu Zeit so schnell vergehen, dass kein Foto sie einzufangen vermag. An all den Gefühlen, die ausgetauscht werden, den positiven vor allem, aber auch den negativen, und die in ihrer Vielfalt nicht einmal in Worte gefasst werden können – wie dann in Bilder?

Die klare Luft und das laue Lüftchen möchte ich mit allen teilen. Die Entspannung und die Leichtigkeit, die in der Luft liegt. Weil heute frei ist, weil heute keiner von der Verantwortung gerufen wird. Und an meinen Erinnerungen möchte ich mehr Leute teilhaben lassen. Weil es schöne Erinnerungen sind.

Erinnerungen an Freunde. An gemeinsame Spaziergänge. An bunten Herbst. An frischen Schnee. Ans langsame Grünen. Ans Genießen. Ans Vergehen und Entwickeln.

Hier ist Jung und Alt, aus allen Ländern, in allen Anordnungen und Gruppen. Zu Fuß, mit Rad, Skates, Kinderwagen. Von Zeit zu Zeit sogar zu Ross. Schweigend und Redend und manchmal singend. Eine Frau reicht mir einen Apfel und lädt mich ein, ihr Café ist gleich um die Ecke. Lecker, der Apfel. Der süße Geschmack mischt sich mit dem schweren Duft des Flieders, der in der Luft liegt. Ich liebe Flieder.

Mir gegenüber sitzt seit einer Weile ein alter Herr, der im Monolog redet. Das fällt allerdings nur dem auf, der lauscht, denn er hat einen Freund mit schwarzer, kaum merklich verrückter Perücke dabei, der zuhört, aber doch nichts sagt – nicht einmal nickt. „Do domu“, beschließt der Redner und sie stehen auf. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt und die Umgebung aufmerksam musternd, gehen sie, während neue Menschen in mein Blickfeld kommen und gehen und kommen und alle auf ihre Art so neu und anders und spannend sind, dass es eine Freude ist.

Mai 2012

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