Japan (2014)

Sushi und Suppe (Essen I)

In Polen, wo ich die Wochen vor meinem Flug nach Japan gelebt habe, sprießen gerade Sushi-Laufband-Lokale aus dem Boden wohin man auch blickt, als ich neulich eine Nacht in Frankfurt war, habe ich allein auf meinem 2-minütigen Weg vom Bahnhof zum Hotel zwei Angebote für Sushi gesehen und wann immer ich zu lange Aufenthalte in Flughäfen habe, gönne ich mir einen Ausflug zu den nicht zu verfehlenden Glasvitrinen, in denen angerichtet ist, wonach mir der Sinn steht: Sushi.

Ich folge diesem Trend gerne, denn ich liebe Sushi.

Demnach habe ich mich auf meinen Japan-Urlaub sehr gefreut, endlich auf ins Sushi-Paradies. Ich habe mich sogar dazu überwunden, Messer und Gabel links liegen zu lassen, um meine Stäbchen-Ess-Fähigkeiten zu trainieren.

Es lohnt sich nicht, lange herum zu reden: Meine Erwartungen wurden enttäuscht. Morgens, mittags, abends Sushi? Pustekuchen. Die Japanerinnen und Japaner pflegen eine unglaublich vielfältige Küche, haben in jedem Menü mehr Fleisch- als Fischgerichte und essen scheinbar ununterbrochen Suppe, Nudeln und Reis – angemacht mit verschiedenem Gemüse und Gewürzen. Und diese Erfahrung mir, die ich es doch so liebe, wenn sich Vorurteile bewahrheiten.

Wie dem auch sei. Ich fand mich nach einer relativ erfolglosen Sushi-Lokal-Suche damit ab, umdenken zu müssen und bestellte Suppe. In der Suppe waren Nudeln.

Da saß ich nun also. Ich, die Deutsche, vor einer Schale Nudelsuppe. Der Kellner verbeugte sich und reichte mir Stäbchen. Alles, was ich mit Stäbchen essen kann, ist Sushi.

Ich möchte meinen Suppen-Misserfolg nicht beschreiben, aber 3 Minuten später stand der Koch an meinem Tisch und ehe ich mich versah, bekam ich eine Kurzeinführung zu Nudelsuppe-Essen mit Stäbchen. Der Koch lachte, verbeugte sich und überließ mich meinem Schicksal. An sich ist das gar nicht so schwer. Man wickelt die Nudeln um die Stäbchen, saugt sie genüsslich ein und schlürft das Suppenwasser hinterher. Der Koch kam wieder, war begeistert und klatschte. Ich hatte Suppe auf meinem Kleid. Dennoch gab ich nicht auf.

Tag 3: Das abermalste Mal Suppe. An sich bin ich ein Suppenmensch, in Japan graut mir nur vor dem Essen in aller Öffentlichkeit. Doch langsam hatte ich Übung und außerdem sind die Essmanieren in Japan Stäbchenkompatibler als unsere europäischen: Schmatzen, Schlürfen, Schlecken – alles kein Problem. Ich schlürfte die ganze Suppe in mich rein und manövrierte die Nudeln hinterher. Gelbe Suppe bei weißem Shirt: Nicht ein Fleck. Stolz griff ich nach meiner Servierte. Es entpuppte sich als Lätzchen. Hah! Nicht für mich.

Und am Tag 4 habe ich sogar Sushi gefunden: Eingetütet an der Frischetheke zu einem Spottpreis. Köstliches Sushi.

September 2013

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