Japan (2014)

Undefinierbares (Essen II)

Ich hatte sowohl jetzt als auch im September immer wieder die angenehme Freude, von Japanerinnen zum Essen eingeladen zu werden. Ich werde nicht nur deshalb gerne zum Essen eingeladen, weil ich dann selbst nicht kochen muss, sondern weil ich es hochspannend finde, traditionelle Küche zu probieren. Bisher schien mir das immer eine gute Idee sein. Bisher habe ich mich aber auch nur einmal aus Europa rausbewegt, wo unsere Zutaten nur geringfügig variieren. Und in Kalifornien gab es zwar mehr Bohnen und Avocado, aber ansonsten keine großen Unterschiede zu unserer europäischen Küche.

Dann kam ich nach Japan. Ich bin durchaus experimentierfreudig, auch in Bezug auf Essen. Jedenfalls, wenn ich ungefähr sagen kann, was ich da esse. In Japan bin ich froh, wenn ich immerhin eine Zutat benennen kann. Oder wenigstens am Geschmack erkenne.

Von Zeit zu Zeit passiert es, dass mir jedoch das ein oder andere Gericht bekannt vorkommt. Ich schlage voller Freude zu – nur um zu merken, dass es doch ganz anders ist. Salzig statt süß und mit einer semigen Füllung vollgestopft (In zwei von zehn Fällen greife ich aber auch das, das ich erwartet hatte).

Zurück zu meinen stilechten Essenseinladungen. Meine japanischen Essen liefen bisher immer folgendermaßen ab: Vor mir auf dem Tisch steht eine Schale mit Suppe, daneben eine Schale mit Reis. Und drum herum und davor und dahinter tausende kleiner Dinge, die alle hochspannend aussehen, riechen und eine eigenartige Konsistenz haben. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Da sitze ich vor einem überladenen Tisch und habe keinen blassen Schimmer, was aufgedeckt ist.

Ich beginne mit der Suppe, das ist sicher. Suppe schmeckt immer. Und der Reis ist auch okay, immerhin schmeckt er hier nach irgendetwas. Und dann geht das große Schlemmen los.

In Japan teilt man sein Essen. Das heißt, in der Regel gibt es kein eigenes Menü, sondern viele verschiedene Dinge und Tellerchen für alle Beteiligten.

Wenn ich mit Japanerinnen esse, habe ich keinen Einfluss darauf, was auf meinen Teller kommt. Da wird einfach alles gestapelt. Gemüse sieht oft anders aus, schmeckt aber meistens anständig und wird von Süßkartoffeln und Riesenrettich dominiert.

Reisbällchen, Sushi, frittiertes Zeugs – alles kein Ding.

Dazu gibt es Soja in allen Variationen, von der Bohne bis zum Tofu, süß, sauer, kurios, in Soße und ohne. Ich lerne tagtäglich etwas Neues kennen und kann mich durchaus mit der Vielfalt der japanischen Küche anfreunden.

Aber dann geht es an all die Dinge, die aus dem Meer gefischt wurden. Fische, Muscheln, Algen, Krabben, Oktopusse und noch viel, viel mehr Tierchen, deren Namen ich mir keine 3 Sekunden merken kann. Diese Dinge sind meistens weich, labbrig – und schmecken zu 50% köstlich, zu 20% okay, zu 20% gewöhnungsbedürftig – und manchmal einfach nur schrecklich (für mich auf einer Ebene mit Nieren, Leber und anderen Innereien). Aber einfach auszuspucken schien mir bisher keine gute Idee zu sein.  Also schlucken, lächeln und einen Schluck Suppe hinterher.

Es kann ja nun wirklich nicht alles Essen schmecken – und immerhin ist jede Mahlzeit immer wieder ein Abenteuer.

Januar 2014

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