Junge Power

#ichbinhier

Vor zwei Wochen bin ich der Facebook-Initiative #ichbinhier beigetreten. Seitdem verwende ich unter der Woche täglich etwa 30 bis 90 Minuten darauf, mich auf Facebook durch Hasskommentare zu wühlen. Warum ich mir das antue? Irgendetwas muss man ja tun – und das funktioniert am besten in einer großen Gruppe.

Aus genau dieser Motivation heraus wurde Ende Dezember 2016 nach schwedischem Vorbild eine Facebook-Gruppe als „Aktionsplattform“ gegründet. Unter dem Hashtag „ichbinhier“ sammeln sich inzwischen, 2 Monate später, schon über 20.000 Mitglieder. Wir alle wollen eines: Eine neue Kommunikationskultur im Netz, mehr Pluralismus und mehr Freundlichkeit im Netz, vor allem dort, wo die Kommentarspalten wie ein rechtsfreier Raum erscheinen.

Aus dieser Motivation heraus werden in der Facebookgruppe Artikel und Postings öffentlicher Medien gesammelt, wo uns aus den Kommentarspalten besonders viel Hass und Menschenverachtung entgegen springt. Wir halten mit Sachlichkeit, Freundlichkeit und fundierter Argumentation dagegen und liken Kommentare, die so nach oben gepusht werden.

Es geht nicht um Belehrung, es geht um Pluralität 

Wenn ich einen Kommentar unter einen Post schreibe, dann tue ich das nicht in der Erwartung, Hater und Trolle eines Besseren zu belehren. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich versuche höchstens sie zu entlarven. Vor allem aber versuche ich durch meine Kommentare einen neuen Ton in die Debatte zu bringen. Ich versuche die Menschen zu erreichen, die sich von Kommentaren beinflussen lassen – egal in welche Richtung. Ich argumentiere mit Menschenwürde, mit internationaler Verantwortung und mit gesundem Menschenverstand. Ich danke anderen Nutzerinnen und Nutzern für positive Worte und gute Argumente und danke Medienseiten, wenn sie dem Hass von sich heraus mit guter Moderation etwas entgegen setzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn Online-Debatten vermenschlicht werden, es dem ein oder anderen Hater bzw. Haterin nicht mehr so leicht fällt, große Töne zu spucken.

Haters gonna Hate 

Gerade als junge Frau ist man dabei natürlich vor Angriff nicht gewahrt. In der vergangenen Woche wagte ich es eine Statistik zu dem Ausmaß an „Beziehungsdelikten“ im Zusammenhang mit einem Mord zu zitieren. Daraufhin wurde ich heftig angegangen, eindeutig eine Wortschaftserweiterung in meinem Beschimpfungsvokabular. Ehe ich irgendwie auf die Idee kommen konnte, mir das zu Herzen zu nehmen, waren ander User und Userinnen zur Stelle und konterten in meinem Sinne. Der Kommentar wurde der Initiative „HassHilft“ gemeldet, die Hasskommentare in 1€-Spenden gegen Rechts umwandelt. Ich hatte gar nicht die Möglichkeit, mich mies zu fühlen – denn vor allem war da dieses Gefühl, dass es mit Ausdauer und mit Unterstützung gar nicht so schwer ist, sich das Internet zurück zu erobern. Es ist nicht immer leicht, die Unmenschlichkeiten zu lesen, noch dazu direkt nach dem Frühstück, wie ich das mache. Aber es ist gut zu sehen, dass etwas passiert. Dass es letztendlich gar nicht so unmöglich ist, eine kleine Veränderung anzustoßen. Was es jetzt braucht, sind Mitglieder. Viele Menschen, die sich die Zeit nehmen, einen Kommentar zu schreiben oder andere zu liken. Es gehört auch ein bisschen Mut dazu – doch es ist gleich biel leichter, mutig zu sein, wenn man sich auf 20.000+ Menschen verlassen kann, die im Zweifelsfall zur Stelle sind.

Als ich heute Morgen etwas später als üblich zur Stelle war, lief die erste Aktion bereits eine Weile. Als ich ankam, dominierten positive, mitfühlende und konstruktiv-kritische Kommentare. Was soll ich sagen – es war ein fantastisches Gefühl.

Ein Interview mit einem der Moderatoren, die wirklich eine beeindruckende Arbeit in der Gruppe machen: http://www.jetzt.de/politik/facebook-gruppe-ichbinhier-kaempft-gegen-hetzte

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