Über mich, Wer bin ich?

Eine Deutsche abroad

Wenn ich als junge (deutsche) Frau ins Ausland gehe, dann gehe ich in dem Wissen, als Gast in ein Land zu kommen. Als dieser junge Gast komme ich als Beobachterin. Ich tauche ein in spannende Wochen und lasse die Welt herum auf mich wirken. Die ersten Eindrücke sind oft sehr emotional. Ich unterscheide nicht in richtig und falsch, sondern lebe in den Kategorien „das fühlt sich gut an“ bzw. „das fühlt sich irgendwie komisch an“. Für Außenstehende ist es häufig schwer, diese feine Trennlinie zu sehen.

Als Deutsche auf dem Balkan habe ich die Erfahrung gemacht, dass Deutschland als ein Land gilt, in dem Milch und Honig fließt – und das noch dazu in geordneten Bahnen. Einerseits freue ich mich, denn auch ich denke, dass Deutschland als ein weltoffenes Land in einiger Hinsicht als ein gutes Beispiel herhalten kann. Dennoch ist auch in Deutschland nicht alles gut, ich versuche also Menschen davon zu überzeugen, dass auch bei mir daheim nicht alles Glanz und Gloria ist. Als Deutsche habe ich einen Freifahrtschein, an meinem eigenen Land so viel zu kritisieren, wie ich nur will, sofern ich mich dabei auf Quellen verlasse und nicht auf den Fake-News-Zug aufspringe. Als Deutsche in Mazedonien habe ich dieses Recht nicht – aber das ist völlig in Ordnung, denn ich bin ja zum Beobachten hier und nicht zum Ermahnen oder Klugscheißern.

Es ist mir wichtig, dass alle Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, dass ich mir nicht anmaßen möchte, ein Urteil über Mazedonien zu  fällen. Ich mache mir kritische Gedanken über Aspekte der politischen und wirtschaftlichen Kultur, die ich an Theorien messen und beurteilen kann, aber ich beurteile und vor allem verurteile nicht Menschen und ihre Lebensrealität.

Mir ist es wichtig, dies hervorzuheben, weil ich das letzte Mal, als ich von meinen Erfahrungen nach einem Monat in Mazedonien geschrieben habe, sehr unterschiedliche Reaktionen auf meinen Text bekommen habe. Mein Anspruch war zu beschreiben, wie ich mich – aus Deutschland kommend – in Mazedonien fühle. Meine Gefühle hier sind nicht immer positiv. Leider haben zu viele Menschen aus Mazedonien es so aufgenommen, als würde ich ihr Land mit ihnen darin abwerten. Viele Menschen aus Mazedonien haben es jedoch auch genauso aufgenommen, wie ich es gemeint habe: dass es verwirrend sein kann in einem fremden Land zu leben und dass diese Verwirrung am Ende des ersten euphorischen Flow in ein bisschen temporäre Frustration umschlagen kann. Das Leben als junger Mensch ist verwirrend genug, ständig versuche ich mich in den Irrungen und Wirrungen der globalen Welt zurechtzufinden und meinen Optimismus nicht zu verlieren. Mit einer neuen Lebensrealität konfrontiert zu werden ist immer wieder eine Herausforderung, egal wie oft ich meinen Wohnort verändere. Ich nehme diese Herausforderung gerne an, auch wenn ich gemerkt habe, dass die Situation sich hier in Mazedonien doch etwas kniffliger gestaltet, weil jedes Wort auf die Waagschale gelegt wird. Jedes Wort zählt, also ist etwas Vorsicht angebracht.

Die Situation gestaltet sich auch deshalb schwieriger, weil sich bisher kaum eine Person die Mühe gemacht hat, mir die positiven Seiten Mazedoniens aufzuzeigen. Zu sehr werden diese wohl von Politik und Wirtschaft, von Ungerechtigkeiten aller Art, überschattet. Tagtäglich höre ich also laute Kritik an dem Land, in dem ich lebe. Das macht es noch schwerer, unvoreingenommen und optimistisch an das Land heranzutreten. Dennoch wandeln sich die größten Kritiker Mazedoniens plötzlich in Patrioten, wenn ich meine ambivalenten Gefühle gegenüber meinen neuen Erfahrungen zu Papier bringe. Es ist nicht leicht, sich in einem anderen Land einzufinden, ohne der Elefant im Porzellanladen zu sein – vor allem wenn es so leicht ist, einen falschen Schritt zu machen. Aber ich genieße dennoch die Erfahrung, denn sie ist neu für mich und wertvoll für meine Persönlichkeit.

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