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Zum Wochenende: Ein bisschen Body Positivity

Neulich stolperte ich über einen Artikel, der sich mit dem neusten Körpertrend auf Instagram auseinandersetzte. Zu aller Überraschung ging es diesmal nicht darum, dass junge Frauen sich zu Gespenstern hungern sollen, sondern um ein bisschen Body Positivity. Der letzte Schrei sind nämlich angeblich „Hip Dips“, Dellen zwischen Hüfte und Oberschenkel oder anders ausgedrückt: Frauen dürfen einen Körper haben, der einfach so ist, wie er ist.

Nun bin ich, weil die Natur es so wollte, mit solchen Hip Dips gesegnet – und darüber war ich als junge (noch jünger als jetzt) Frau nicht sehr glücklich, wenn ich mich mit den gephotoshoppten Hungerhaken in Zeitschriften und Fernsehserien verglichen habe. Wurde mir dann aber irgendwann zu anstrengend und ich habe Frieden mit meinem Körper geschlossen, witzigerweise fiel mir das besonders leicht während meines Auslandaufenthaltes in Taiwan. Da sahen alle so anders aus, dass ich mich nur mit mir selbst vergleichen konnte.

Da dieser Frieden nun sogar gesellschaftlich anerkannt ist, habe ich einen alten Tagebucheintrag aus dem Jahr 2015 hervorgekramt, um zu beweisen, dass ich eine absolute Trendsetterin in dieser Hip-Dip-Sache bin. Mich bringt mein jüngeres Ich immer mal wieder zum Schmunzeln.  

Tagebucheintrag, 29. Mai 2015

„Seit das Paket aus Taiwan überraschend früh angekommen ist, habe ich nicht nur dem Wetter entsprechende Kleidung – so traurig das ist, immerhin waren dort meine Wintersachen verpackt und verschickt – sondern auch den wadenlangen, schlichten, schwarzen Baumwollrock, den ich auf dem 師大夜市, zu Deutsch „Shida Nachtmarkt“ gekauft habe. Er ist in seiner Schlichtheit unglaublich elegant, vor allem mit Absätzen getragen, und zaubert eine tolle Figur, denn er fließt von der Taille über meine Hüfte ohne dabei besondere Aufmerksamkeit auf mein Loch zu richten, das zwar nur mir und den kritischen Blicken anderer Frauen auffällt, aber dessen Existenz ich nicht leugnen kann. Ich würde es aber nicht als Problemzone bezeichnen, was ist das überhaupt für ein Ausdruck. Ein Problem ist etwas, das sich aus irgendeiner komplizierten Sachlage ergibt, es ist eine Schwierigkeit, die gelöst oder bewältigt werden soll. Wenn ich nun mein Loch zwischen Becken und Oberschenkelknochen zum Problem stilisieren würde, würde ich erstens meiner nicht gerecht werden und zweitens meinem Loch auch nicht. Es ist nämlich keineswegs Ausdruck von irgendetwas Unangenehmen, ganz im Gegenteil – je schlanker und sportlicher ich bin, desto offensichtlicher zeigt sich die Delle, ich habe gleich zwei Kurven an meinem Oberkörper. Seit meiner Pubertät laufe ich damit herum, es gehört zu meinem Körper wie meine Nase, meine großen Zehen und wie all die anderen hübschen Körperteile. Sicherlich könnte man mit entsprechendem Werkzeug hier und da ein bisschen schleifen oder etwas auffüllen – aber wozu? Das wäre eine Lösung zu einem Problem, das es überhaupt nur gibt, weil die angebliche Lösung dessen, nämlich die Schönheitsoperation und Sporty-Lifestyle-Industrie, zu einem so lukrativen Geschäft führt. Ich würde jetzt nicht von Zuneigung oder gar Liebe zu diesem Merkmal menschlicher Unvollkommenheit sprechen, aber die meisten Tage stört es mich nicht. Und falls doch, dann bleiben mir ja immer noch Rücke wie dieser um es so galant zu kaschieren, dass ich glatt vergesse, dass ich es habe.“

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