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Stammgästin wider Willen oder: allein im Café (in Skopje)

Ich bin im Großen und Ganzen eine recht selbstbewusste junge Frau. Eines jedoch traue ich mich nicht: alleine in ein Café oder gar eine Bar in Skopje zu gehen. Jeder Besuch – oder der Versuch eines Besuches – bereitet mir Herzrasen. 

In Cafés, das habe ich schnell gemerkt, geht man hier im Rudel. Dort trifft man sich mit Freunden, Kollegen, allen halt. Man sitzt, man hält sich zwei Stunden an einem Kaffee fest und raucht dabei (jedoch nicht im Café – das ist verboten – sondern meistens im Wintergarten davor).

Wenn ich in Cafés gehe, dann bin ich meistens nicht im Rudel unterwegs. Ganz im Gegenteil, mich zieht es dorthin, weil ich schreiben möchte oder arbeiten oder vielleicht einfach um zu lesen. Einmal habe ich es gewagt: ich bin in meiner Nachbarschaft – denn ich wohne in Debar Maalo und das ist das angesagteste Viertel der Stadt, wo sich Café an Kneipe an Bar reiht – in ein Café gegangen. Ich habe mich in eine Ecke gesetzt, einen Planinski Tee (eine mazedonische Bergpflanze) bestellt und gelesen. Dabei fühlte ich mich beobachtet. Ich wurde auch beobachtet. Ich wurde von oben bis unten gemustert, als wenn ich eine Außerirdische sei. Dann kam einer rüber und quatschte mich an, weil er dachte, ich sei einsam. Ich floh. Wenn ich einsam bin, liege ich grundsätzlich in meinem Bett und heule. Wenn ich mit einem (guten) Buch in einem Café sitze, dann bin ich generell eher glücklich und nicht einsam.

Strickend und glücklich (aber nicht allein) im Menada Café, einem Café mit Kultstatus in Skopje!

Inzwischen habe ich es geschafft, einige Orte zu finden, an denen ich relativ ungestört vor mich hin arbeiten kann. Damit meine ich, dass ich Orte gefunden habe, zu denen es überwiegend Raucher*innen zieht, weshalb ich den eigentlichen Hauptteil des Cafés für mich alleine habe. Von Zeit zu Zeit führe ich ein kurzes Gespräch mit den Kellnern oder Kellnerinnen und sie sind immer ausgesprochen nett.

Allerdings habe ich gemerkt, dass mein Selbstbewusstsein – um wieder zum Anfang zurück zu kommen – ausgesprochen fragil ist, wenn es um die Suche nach einem ausgelagerten Schreibtisch oder Wohnzimmer geht. Maximal 2x die Woche traue ich mich, am selben Ort aufzutauchen und dann bleibe ich nur ungern länger als zwei Stunden, auch wenn ich permanent neuen Tee bestelle. Stammgästin zu sein, das liegt mir nicht. Derzeit habe ich 2 Cafés in der direkten Nachbarschaft, die ich gerne aufsuche, darüber hinaus einen Co-Working Space – Public Room – wohin ich 20 Minuten laufe und dafür dann gerne den gesamten Sonntag bleibe. Das heißt, ich habe für 5 Tage der Woche ausgesorgt, bleiben die restlichen 2 bis 4 Tage (denn manchmal besuche ich an einem Nachmittag 2 Cafés), an denen ich mit etwas Glück ohnehin verabredet bin. Wenn aber nicht, dann schleiche ich wie eine Katze mit eingezogenem Schwanz an Cafés voller fröhlicher Menschengruppen vorbei, schiele hinein, versuche zu sehen, ob es eine versteckte, leere Ecke gibt und gehe dann meistens doch nirgendwo hin, sondern schlurfe entmutigt nach Hause, um früh ins Bett zu gehen, ein Hörspiel zu hören und dabei zu stricken, während meine Bücher mich vorwurfsvoll anblicken.

Wohnzimmer und Arbeitszimmer in Einem: das „Café Deus“ gegenüber meiner Wohnung.

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