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Bequem und nachhaltig durch die Regel: meine Erfahrung mit Menstruationsunterwäsche

Vor drei Perioden beschloss ich, einige meiner Menstruationsgewohnheiten zu ändern und bestellte mir zwei Menstruationsslips, um eine Alternative zu herkömmlichen Binden zu finden. Zusammen mit Menstruationstassen (ein Behälter, der – ähnlich einem Tampon – in die Scheide eingeführt wird und dort Blut aufsammelt) ist Menstruationsunterwäsche die übliche nachhaltige Alternativen zu single-use Binden oder Tampons.

Ehe ich über meine Erfahrung mit Periodenunterwäsche spreche, ist es mir wichtig hervorzuheben, dass Menstruation ein hochsensibles Thema ist. Für viele Frauen* ist es unangenehm daran nur zu denken und wir alle erleben immer wieder Diskriminierung aufgrund dieser natürlichsten aller Dinge. Keine Frau* sollte jetzt unter Druck geraten und denken, auch noch die Menstruation nachhaltig optimieren zu müssen – jede so, wie es sich gut anfühlt! Ich hoffe aber, dass das Gespräch über Alternativen zu traditionellen Menstruationsprodukten helfen kann, das Stigma vom Thema Periode zu nehmen.

Da wir das nun geklärt hätten, weiter zur Unterwäsche. Was ist das genau? Letztendlich genau das, wonach es klingt – eine Unterhose mit einer verstärkten, saugstarken und antibakteriellen Schicht im Schritt. Wie bereits gesagt ist diese Unterwäsche eine nachhaltige Alternative zu Binden oder Tampons und im Gegensatz zu Baumwoll- oder Frotteebinden (die mir persönlich sehr suspekt sind) rutscht nichts und es klemmt auch kein schmerzhafter Knopf direkt an den Schamlippen.

Menstruationsunterwäsche ist außerdem auch eine gesunde Alternative, da die Technologie in der Saugschicht ohne schädliche Duftstoffe, Bleiche oder sonstige Giftstoffe auskommt (die in herkömmlichen Binden und Tampons oft en masse zu finden sind). Außerdem kann die Luft frei zirkulieren, die Scheide kann atmen und es kommt nicht zu Verstimmungen (Kurzer Disclaimer: Ich bin keine Ärztin, ich habe das nur so gelesen und kann es durch meine Erfahrung unterstreichen).

Meine Erfahrung

Nachdem ich meine neu erworbenen Schätze auf Instagram geteilt habe, war das Interesse groß und sofort kamen viele Nachfragen. Ich wollte jedoch erst ein paar Panties vollgeblutet haben, ehe ich meine Erfahrung teile. Nun ist es so weit und hier meine wichtigste Erkenntnis: Ich bin begeistert!

Die Unterwäsche ist extrem bequem und, anders als Binden, kommen ganz ohne „Windelgefühl“ aus. Tatsächlich war ich ein paar Mal auf der Toilette total überrascht, Blut am Klopapier zu sehen, weil ich meine Regelblutung einfach vergessen habe. Daher lässt sich die Unterwäsche auch super gemütlich an leichten Tagen mit Ausfluss, Zwischenblutung oder Restblutung tragen, ohne zu nerven.

Die Unterhosen, die ich gekauft habe, nehmen (wie online versprochen) drei bis vier „Tamponladungen“ auf und halten daher bei mir ab Tag 3 bis zum Schlafengehen. Es läuft absolut nichts aus, weder durch den Schritt, noch an den Seiten (hier ist die Passform natürlich ausschlaggebend, dazu unten mehr). Das Blut sickert flott in die Zwischenschicht, weshalb sich die Unterhose selbst immer trocken anfühlt. Nichts riecht unangenehm und es entsteht auch kein schwitziges Gefühl – sogar bei den derzeitigen 35 °C ist das Tragegefühl total angenehm.

Allerdings kommt die Einlage bei starker Blutung und bei vielen Klumpen schnell an ihre Grenzen, weshalb ich an Tag 1 (und je nach Blutung auch an Tag 2) noch zu normalen Binden greife. Ich habe schon oft von Frauen gehört, die an diesen Tagen Unterwäsche und Menstruationstasse kombinieren, für mich ist das leider keine Option.

Die Marken

Zunächst noch einmal ein Disclaimer: Ich habe diese Produkte aus freier Motivation und von meinem eigenen Geld gekauft und stehe in keinerlei – bezahlter oder unbezahlter – Verbindung zu den hier genannten Marken!

Nach einiger Recherche habe ich mich für „Einstiegsmodelle“ von den Marken Ooia (deren Slip) und Kora Mikino (Hipster Hannah) entschieden. Für mich war es wichtig, ein europäisches/ deutschen Unternehmen zu unterstützen, um Lieferwege zu verkürzen. Beide Labels erfüllen nachhaltige und ethische Standards.

Die Funktion von beiden Modellen/ Marken ist sehr ähnlich, wobei allerdings die Produkte von Kora Mikino grundsätzlich eher mehr Aufnahmekapazität haben.

Beim Aussehen und Design fühle ich mich mehr zu Ooia hingezogen, der Stoff fühlt sich auch einfach etwas angenehmer an. Leider haben sie nur ein Modell für „starke“ Tage (bei mir Tag 2-4) im Angebot, das als Shorty designt schon fast an eine Radlerhose erinnert und so gar nicht meins ist. Kora Mikino kommt eher im „Oma-Look“ daher, aber letztendlich habe ich schnell gemerkt, dass es genau das ist, was sich während der Periode gut anfühlt. Ich spiele trotzdem noch mit dem Gedanken, eines von Ooias hübschen Designs für Tropftage oder Zwischenblutungen zu holen.

Allerdings muss ich sagen, dass Kora Mikino für mich die klare Gewinnerin im Bezug auf Tragegefühl und Passform ist. Ich bin eine schlanke Person mit einem hübschen, recht großen und sehr runden Po. Als ich direkt nach dem Auspacken beide Modelle Probe trug, passte das Modell von Ooia super und sah toll aus. Leider ist es in der Wäsche dann doch recht schnell ausgeleiert und rutscht jetzt leicht, sowohl über die Hüfte als auch in den Po – suboptimal! Der Hipster von Kora Mikino (und das High Waisted Modell) schließen eng mit meinen Oberschenkeln ab ohne einzuschneiden und der großzügige Schnitt ist wundervoll behaglich für schmerzhafte Tage (Stichwort: unterer Rücken).

In meiner zweiten Bestellung habe ich mir sogar einen beigen Slip geholt, um ihn unter weißen Kleidern tragen zu können – selbst an schwachen Tagen würde ich einer Binde niemals so viel Vertrauen schenken. Wenn das also kein finales Argument für Menstruationsunterwäsche ist dann weiß ich nicht was 😉 .

Im Bezug auf den Preis sind beide Marken ähnlich. Zum Thema Geld: Eine Ersparnis sind die Menstruationsunterhosen übrigens nicht. Mein Beispiel – normalerweise zahle ich (in Polen) ca. 7€ pro Periode, hochgerechnet auf zwei Jahre (so lange halten die Unterhosen angeblich ehe die Sauglage schwächelt) sind das ca. 170€. Ich besitze jetzt 5 Menstruationsslips (wenn ich einmal pro Periode wasche, komme ich damit gut aus). Dafür habe ich – mit Versand – 180€ gezahlt, dazu kommen so etwa 70€ für Periodenprodukte (Tag 1+2). Für mich ist es das Geld auf jeden Fall wert und ich empfehle Periodenunterwäsche uneingeschränkt. Gleichzeitig vertehe ich, dass sie für viele Frauen* außerhalb des bezahlbaren Rahmens liegen. Wäre es nicht lange überfällig und total angemessen, wenn Menstruationsprodukte von der Krankenkasse bezahlt würden??

Sodele, das war’s von meiner Seite zum Thema Menstruationsunterwäsche – noch dazu mein erster „Review“-Beitrag auf dieser Seite. Konnte ich eure Fragen beantworten? Falls nicht können wir gerne weiter darüber in den Kommentaren oder per Nachricht reden.

Falls ihr auf der Suche nach mehr Expertise seid, dann schaut am besten auf den Seiten von Kora Mikino oder Ooia, oder stöbert auf dem Menstruationsinformationsportal Erdbeerwoche.

Zum Weiterlesen: Die feministische Schriftstellerin Franka Frei informiert in ihrem Manifest „Periode ist politisch“ für die Entstigmatisierung der Periode. Kaufen oder Reinschnuppern geht im lokalen Buchhandel oder hier.

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