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Eine wöchentliche Freude: der Markteinkauf

Ich habe in Krakau eine Lieblingsbeschäftigung, die nichts mit Politik oder Weltverändern zu tun hat, sondern einfach Spaß macht. Das Schöne ist: es handelt sich hierbei um unseren wöchentlichen Markteinkauf, es ist also auch noch praktisch.

Es gibt in Krakau einige Märkte, die jeden Tag geöffnet sind und der beeindruckendste ist zweifellos der „Stary Kleparz“. Die Markthalle, die sich aus mehreren kleinen Häuschen und Ständen unter einem gemeinsamen Dach zusammensetzt, steht auf dem Marktplatz der einstigen Stadt „Kleparz“, die von 1366 bis 1792 vor den Toren Krakaus florierte. Ursprünglich hatten sich hier Siedler niedergelassen, die sich den Zoll in die Stadt Krakau nicht leisten konnten. Mit der Zeit wurde die Stadt größer und größer.

Heute gehört Kleparz zu Krakau und das Marktvergnügen gehört zum Stadtleben. Auf dem Markt findet sich alles, was es im Haus so braucht – Essen natürlich, aber auch Hauswarenartikel, Tierartikel, Hausschuhe, Tischdecken und Werkzeug. Es gibt Blumen, Essen auf die Hand, Bäcker und Fleischer. Es gibt fest installierte Gemüsehändler, die aus aller Damen Länder Essen anbieten, aber mich verschlägt es immer in das hintere Drittel des Marktes: hier verkaufen Bauern aus der Region ihr Obst und Gemüse. Das heißt, dass ich hier nicht unbedingt Orangen finde, dafür aber regionales und saisonales Obst und Gemüse – und das ist genau das, was ich suche. Das heißt, jetzt im Winter kaufe ich Sellerie, Kohl und Rettich und entdecke damit ganz neue Rezepte. Im Herbst gab es Pilze, Kürbis und Cranberries (auf deutsch übersetzt heißen die angeblich Moosbeeren? Wieder etwas gelernt!) im Übermaß und ich kann es kaum erwarten, dass der Sommer und damit die Beerensaison anbricht!

Der Markteinkauf dauert nie lange, aber ich bin danach immer recht vergnügt: Die Verkäuferinnen und Verkäufer sind nett und charmant, nennen mich „Sonnenschein“ und „Herzchen“ und auch wenn sie mir eigentlich nur ihre Möhren andrehen wollen, so macht es mich doch glücklich.

Kulturelle Verwirrung tritt inzwischen nicht mehr ein, jetzt wo ich eine erprobte Einkäuferin bin. Anfangs war das anders. Da schaute mich eine Verkäuferin ganz überrascht an, als ich um 500 Gramm Pflaumen bat – und packte Unmengen ein, damit hätte ich fünf Kuchen backen können (und nicht nur einen, wie geplant). Nun, schnell lernte ich, dass auf dem Markt in Polen nicht in Gramm, sondern in „Deka-Gramm“ gerechnet wird – die nette Dame klärte mich auf, dass ich wohl eher 50 Deka wolle, nicht wahr? Ich musste das zu Hause direkt einmal googlen – von Deka hatte ich noch nie gehört.

Inzwischen bin ich ein alter Hase und kaufe souverän und vergnügt allein unter Polen als eine von Ihnen (nur jünger)  ein. Noch ein letzter Grund zur Freude: Der Markt ist unschlagbar billig, ein Kilo Kartoffeln gibt es für einen Zloty oder für 1,20 (nach derzeitigem Kurs ca. 25 Cent). Ich kann es kaum erwarten, dass wir unseren Kühlschrank wieder leer gegessen haben!

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