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Eine schöne Erinnerung: Die besten Souvenirs aus Krakau

Es ist immer schön, aus dem Urlaub einige schöne Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen, doch seien wir ehrlich – irgendwann sind einfach genug Shotgläser im Haus, im Regal staubt der Firlefanz  ein und wer braucht eigentlich diese ganzen Kühlschrankmagneten? Gerade wer nur kurz auf Reisen geht, kommt schwer an klassischen Touristenläden vorbei und kauft dann für die Daheimgebliebenen oder für sich selbst letztendlich doch wieder kitschigen Tinnef. Es geht aber auch anders. Jede*r kann ein Zeichen gegen den Konsum setzen und einfach gar nichts kaufen –  oder alternativ sinnvolle, schöne und außergewöhnliche Dinge nach Hause bringen. Gerade Krakau hat neben Bernsteinschmuck, Drachenplüschtieren und Holzschächtelchen viel Schönes zu bieten, das sich in Nebengassen verbirgt und polnische Tradition und Kultur vermittelt ohne diese für touristische Bedürfnisse zu konservieren.

Für Modebewusste: Polnisches Design 

Bis zur hart erkämpften Unabhängigkeit im Jahr 1918 war Polen auf europäischen Landkarten nicht zu finden, denn das Land wurde 1772 besetzt und wurde zwischen Deutschland (Preußen), Russland und Österreich-Ungarn aufgeteilt. Das bedeutete keineswegs, dass es den Polen ohne Land an (patriotischer) Kreativität mangelte – ganz im Gegenteil: Traditionen und Kultur wurden im Untergrund lebendig gehalten. Der Hotspot der polnischen Kunst und Kultur war Krakau. Teil Österreich-Ungarns war Krakau die freiste, unabhängigste Stadt auf dem besetzten Gebiet. Hier mischten Künstler*innen polnische Tradition mit modernem Design, um patriotischen Gefühlen und Freiheitswunsch Ausdruck zu geben. 1901 bereits, also 17 Jahre vor der polnischen Unabhängigkeit, wurde hier die polnische Gesellschaft für angewandte Kunst gegründet und Designliebhaber*innen können in Krakau Inneneinrichtung, Drucke und Teppiche nicht nur in Museen bewundern, sondern in der Stadt verteilt wertvolle Geländer, futuristische Kirchenfenster oder moderne Stuckverzierungen entdecken. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass viele Deutschen Polen nach wie vor mit Armut und Kriminalität verbinden – es gleichzeitig aber stetig ein attraktiveres Urlaubsziel wird. Mit Weltklasse-Design wird das Land nicht assoziiert. Das ist schade – und es ändert sich. Mit der rasanten Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards in Polen entscheiden sich wieder mehr (junge) Menschen für ein Leben mit der Kunst. Polnisches Design erobert Wohnungen und Kleiderschränke moderbewusster Menschen. Dabei knüpfen viele Künstler*innen ganz im Sinne ihrer Vorgänger*innen an Elemente von polnischer Tradition oder polnischem Design an und modernisieren Schnitte und Muster des 20. Jahrhunderts. Interesse geweckt? Ausstellungsfläche und Verkaufsraum für polnisches Design bietet das „Forum Designu“ (Focha 1). Von Ansteckpins über Blumentöpfe, Socken und Bettwäsche bis hin zu Inneneinrichtung und Badausstattung gibt es hier alles zu kaufen, was das Herz begehrt.

Für Kreative: Bedruckte Stoffe 

Für all diejenigen, die lieber selbst Dinge erschaffen, als das fertige Produkt zu kaufen, hat Krakau viel zu bieten. Der Kleinhandel ist hier (noch?) lebendig und in vielen kleinen Straßen und an unauffälligen Ecken finden sich Mal- und Bastelläden, die keinen Wunsch offenlassen. Polnische „Kunst“ gibt es dabei vor allem in Stoffläden wie „Madec“ (z.B. in der Straße Świętego Filipa 7) zu kaufen. Folklore spielt im gegenwärtigen polnischen Leben eine andere Rolle als beispielsweise in Deutschland. Zwar haben die Süddeutschen ihre Dirndl, aber die Vielfalt traditioneller (Blumen-)Muster im alltäglichen Krakauer Leben übertrifft die deutsche Wein- und Bierfestmode um Längen. Das polnische Volk ohne polnisches Land suchte im 19. und 20. Jahrhundert auf unterschiedliche Weise nach Möglichkeiten der Gruppenidentifikation und hierzu gehörte auch die traditionelle Mode, in der aufwändige Stickereien eine bedeutsame Rolle spielen, gewebte Streifen und auch jene bunt-gedruckten Blumenmuster, die sich heute in Krakauer Souvenirläden auf allerhand Tassen, Schirmen und Karten tummeln. Ich bin wahrlich keine Expertin für polnisches Design, habe jedoch bereits mehrfach gehört, dass die Krakauer Trachten – wiederum da Krakau die freiste Stadt Polens war – zum Nationalkostüm und Symbol für den Freiheitskampf wurden. Teil dieser Trachten sind bunte, fröhlich bedruckte Blumenröcke. Den Stoff dafür – und andere folkloristische Designs – gibt es in vielen Stoffläden zu kaufen und ich finde, er eignet sich wunderbar für genähte Kleinigkeiten, Taschen oder natürlich gut gelaunte Sommerkleider.

Für Küchenmenschen: Geschirr mit traditionellem Touch 

Von allen Dingen in dieser Liste ist es am Einfachsten, zufällig über das „Bunzlauer Keramik“ zu stolpern, aber als großer Fan möchte ich es hier gerne aufführen. Mit dem wachsenden Kulturtourismus (im Vergleich zu Feiertourismus) hat sich der Andenkenhandel in der Krakauer Altstadt rasant verdichtet und inzwischen sind die Straßen rund um den Marktplatz von Souvenirläden gesprenkelt. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dabei – und ich finde zurecht – traditionell niederschlesisches Keramikgeschirr, bekannt als „Bunzlauer Keramik“. Bereits seit dem 16. Jahrhundert wird in der Stadt Boleslawiec – ehemals Bunzlau – Keramik hergestellt, das bis zum Ende des 2. Weltkrieges weit über die schlesischen Grenzen hinaus exportiert wurde. Es zeichnet sich nicht nur durch seine besondere Qualität, sondern auch durch charakteristische handbemalte Verzierung mit Pfauenaugen oder Blumenmustern aus.

Gemessen an der Qualität und der aufwändigen Herstellung des Geschirrs ist es außergewöhnlich preiswert und aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Produkte sehr robust sind: sie können problemlos vom Kühlschrank in den Backofen und von dort in die Spülmaschine wandern ohne Schaden zu nehmen. Als ich ein Foto für diesen Blogeintrag gemacht habe, habe ich allerdings gemerkt, dass nicht alles Keramik, das in Krakau verkauft wird, das „Boleslawiec-Siegel“ trägt, also vor dem Kauf einmal einen Blick auf die Unterseite werfen. Preislich und bezüglich des Produktangebots gefällt mir am besten der Laden „kobalt“ (Grodzka 30).

Für Belesene: Bücher 

Ich bin eine Buchliebhaberin und finde, dass man nicht genug Bücher besitzen kann (außerdem kann man ausgelesene Exemplare ja auch immer verschenken oder in Share Libraries geben). Ein Land, so meine Meinung, lässt sich ganz wunderbar durch die Augen nationaler Autor*innen entdecken und eine Mentalität und Geschichte durch Fiktion ganz neu erleben. Gerade während des Kommunismus entstanden viele kritische Werke polnischer Autor*innen – teils aus dem Exil – und ich habe es früher bereits genossen, die Cafévielfalt in Krakau mit guter Lektüre zu genießen. In Krakau selbst gibt es (inzwischen) zahlreiche Buchläden, die mit einem eigenen integrierten Café zum Verweilen und Stöbern einladen. Zunehmend wird hier auch englischsprachige Literatur angeboten. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen (sowieso). Ein absoluter Studierenden-Liebling ist die amerikanische Buchhandlung „Massolit“ (Felicjanek 4), in der neue und gebrauchte Bücher – Romane und Sachbücher – spannende Veranstaltungen und feine (vegane) Snacks angeboten werden. Hier habe ich schon viele mir unbekannte zentral- und osteuropäische Autor*innen entdeckt, da es zu dieser Region Europas ein eigenes Regal gibt. Auch zahlreiche polnische Autor*innen finden sich hier in englischer Übersetzung. Und unabhängig vom Buchkauf lohnt sich ein Besuch in dem urigen Café.

Für’s (innere) Kind: Kinderbücher 

Polen macht in den letzten Jahren (politisch) immer wieder negative Schlagzeilen und die wahrscheinliche Wiederwahl homophober, frauenfeindlicher, rechtskonservativer Politiker*innen in den nahenden Wahlen hilft nicht, diesen Ruf (im Ausland) zu verbessern. Umso erstaunlicher mag es von außen erscheinen, dass der Markt für progressive, kreative und aufgeschlossene Kinderbücher in Polen in den vergangenen Jahren einen wahren Boom erlebt. Illustrator*innen aus Polen räumen einen internationalen Preis nach dem anderen ab und ihre Werke werden in alle erdenklichen Sprachen übersetzt.

Mich faszinieren dabei vor allem die verschiedenen Sachbücher, die Kindern auf kunstvolle Weise die Welt erklären. Angefangen mit dem (nicht-polnischen) Buchprojekt „Good night stories for rebel girls“ und dem damit einhergehenden globalen Boom in feministischer Kinderliteratur haben sich polnische Ilustrator*innen die Biografien von Powerfrauen vorgenommen. Atlanten über ausgestorbene Tiere und Bildergeschichten über Industrialisierung und das moderne Leben bringen in bunten Farben die Ausmaße unserer Klimakrise bei. Und ganz ohne Vorurteile oder Stereotype entführen allerhand Kreative neugierige Kinder mit großen Atlanten und anhand internationaler Legenden in die große, weite Welt. Ich für meinen Teil könnte täglich Kinderbücher kaufen und freue mich über die Vielzahl meiner Nichten und Neffen, die sich von mir regelmäßig über neue polnische Kunstwerke und spannende Geschichten (in deutscher Übersetzung) freuen können. Besonders gerne stöbere ich dabei in der gemütlichen Inhaberin-geführten Buchhandlung „Książkoteka“ (Rajska 3).

Für Kunstliebhaber*innen: Polnische Plakatkunst

Wahrscheinlich ist es inzwischen deutlich geworden: Polen und Kunst – das gehört einfach zusammen. Kunst hat vielen Generationen von Pol*innen ermöglicht, sich in einer beengten, unterdrückten Atmosphäre auszudrücken und dabei einen Gemeinschaftssinn zu bewahren. Eine ganz besondere Tradition hat dabei die Plakatkunst. In meinem Krakauer Alltag üben Theaterplakate eine besondere Faszination  auf mich aus. Immer wieder verweile ich vor einer der vielen Litfaßsäulen in der Stadt, die rege genutzt werden, um über Veranstaltungen zu informieren und die oft von kunstvollen Theaterplakaten geschmückt werden. Da ist schon die Vorschau auf die Vorstellung eine wahre Freude. Tatsächlich spielte die Plakatkunst in Polen vor allem während des Kommunismus eine besondere Rolle. Die international erfolgreichen Künstler*innen der s.g. Polnischen Schule der Plakatkunst schafften es, trotz der Einschränkungen durch das sozialistische Regime humoristische, ironische und individuelle Kunstplakate zu schaffen, die für Veranstaltungen, Vorstellungen oder Produkte (wenn auch weniger) warben. Anders als das Vorurteil anmutet, waren auf diesen Plakaten keine Arbeiterhelden oder glückliche Bauern nach sowjetischem Ideal zu sehen, stattdessen schmückten die Plakate einer polnischen Wanderausstellung in Westeuropa in den 1950er Jahren abstrakte Formen und bunte Farben. Heutzutage werben zwar Hersteller*innen im marktwirtschaftlichen Interesse auf neonbeleuchteten Werbetafeln mit halbnackten Models und Fußballspielern für Ihre Produkte, doch die Theater des Landes sind der traditionsreichen Plakatkunst treu geblieben. Darüber hinaus wird die Geschichte in verschiedenen Galerien bewahrt. So lädt beispielsweise die Dydo-Poster Gallery (Focha 1) werktags (außer Montags) dazu ein, zwischen alten Plakaten zu stöbern und Nachdrucke zu kaufen. Ein Besuch lohnt sich allemal! Eine kleine Auswahl an Plakaten, dafür aber viele Postkarten und historische Fotografien gibt es in der Galeria LueLue (Miodowa 22) in Kazimierz zu kaufen. Ich bin eine große Liebhaberin der Polen-Reihe des kürzlich (April 2019) verstorbenen Grafikers Ryszard Kaja, der in einer umfassenden Kollektion mit Charme die Essenz polnischer Ortschaften, Regionen und Städte einfängt.

Ich hoffe, ich konnte Euch zu einem schönen und außergewöhnlichen Mitbringsel inspirieren, das euch ein Stück der polnischen Kultur und Geschichte mit nach Hause gibt, ohne dabei touristischer Kitsch oder überflüssiger Staubfänger zu sein. Und wenn all das nicht passt, dann gibt es immer noch den polnischen Wodka.

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Weiterführende Informationen zu Polnischer Kunst und Design gibt es auf der Seite www.culture.pl

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