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Nachhaltig stricken mit Crowdfarming- Wolle aus Spanien

Nachhaltige und ethisch-produzierte Mode ist eines meiner Herzensthemen und so versuche ich immer, durch mein persönliches Tun & Konsum wie auch durch gezielte Unterstützung von Kampagnen (wie z.B. die Fashion Revolution Week) einen Beitrag gegen Ausbeutung und Umweltverschmutzung in/durch der Fashion Industrie zu leisten.

Über dieses Engagement habe ich begonnen, selbst meine Kleidung zu stricken und zu nähen. So kann ich verhindern, dass im Zuge der Kleiderproduktion Menschen – vor allem Frauen – in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgebeutet werden. Wir vergessen oft allzu schnell, dass alle Kleidung handgemacht ist und zwar meistens unter katastrophalen Bedingungen für die Näher:innen.

Aber wie sieht es aus mit der Rohstoffverarbeitung? Woher kommt meine Wolle und unter welchen Bedingungen wird sie gesponnen? Transparenz ist hier das A und O um sicherzustellen, dass in der Produktion meiner Wolle neben dem Tierwohl (das meistens deklariert ist) auch das Menschenwohl höchste Priorität hat.

Crowdfarming – was ist das?!

Crowdfarming habe ich über meine Mutter kennengelernt, die u.a. Orangen, Mandeln und Olivenöl direkt über Kleinbauern bezieht und so Zwischenhandelsstationen verhindert. Die Crowdfarming-Initiative ist dabei das Vermittlungsglied zwischen Landwirt:innen und Kund:innen. Auf der Webseite beschreiben sie ihre eigene Aufgabe so:

Der Direktverkauf von Nahrungsmitteln vom Landwirt an den Verbraucher benötigt Dienstleistungen, damit er funktioniert: eine Plattform, auf der Produkte angeboten und verkauft werden können, Logistik für den Transport von Paketen, Betreuung der Kunden (oder CrowdFarmer, wie sie von uns genannt werden) sowie Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit, um bekannt zu werden. Dies sind die 4 Dienstleistungen, die wir für die Farmer erbringen.

Crowdfarming Manifest (deutsch)

Trotzdem besteht zwischen Hersteller:innen und Käufer:innen eine recht enge Beziehung. Bevor ich ein Produkt kaufe oder einen Baum adoptiere, kann ich mich auf der Webseite gründlich über den dahinterstehenden Betrieb informieren. Ich habe ein Gesicht und Namen zu den Landwirt:innen und manchmal gibt es sogar die Möglichkeit eines Besuches.

Wolle von „meinem“ Schaf

Über die Crowdfarming-Webseite hat meine Mutter dann auch Merinoschaf-Herde auf der Moheda de Abajo, gelegen im Westen Spaniens, entdeckt. Schafe sind ganz wunderbare Tiere und oft eng mit dem natürlichen Ökosystem verbunden. Durch das Weiden in der Natur pflegen die Schafe sozusagen die Landschaft. So beschreibt der Farmer Pablo Hinojosa von der Moheda de Abajo das Zusammenspiel von Schafen und Landschaft:

Man könnte sagen, dass das Merinoschaf schon immer eine der Säulen der Moheda gewesen ist. Wir sind nämlich der Ansicht, dass es eine wichtige Aufgabe für die Bewahrung der Dehesa erfüllt, eines weltweit einzigartigen Ökosystems, das im Mittelpunkt unserer Arbeit auf der Finca steht.

Informationen auf www.crowdfarming.com

Als Gegenleistung zur Adoption eines Schafes für etwa 74€/ Jahr, kann ich wählen ob ich eine weiche Wolldecke oder 700g versponnene Merinowolle „ernten“ möchte – die Wahl fiel mir leicht und so fieberte ich seit dem Adoptionstag im Mai auf meine Wolle hin.

Diese langen Wartezeiten sind Teil des Konzepts, da sie für die Farmer:innen Planungssicherheit bedeuten. Ein ungefährer Auslieferungszeitraum ist jedoch stets angegeben, sodass Planung auch auf Seiten der Käufer:innen möglich ist.

Lang ersehnt: Mein Wollpaket Anfang Dezember

Kurz vor Weihnachten ist es dann so weit: Der Postbote bringt mir ein großes leichtes Paket: meine Wolle ist da! Angefügt ist ein Brief, in dem das Projekt noch einmal kurz vorgestellt wird und mir Pflegehinweise an die Hand gegeben werden.

Aus dem Karton strömt mir ein angenehmer Schafgeruch entgegen (zugegebenermaßen: man muss diesen Geruch mögen, denn es kann etwas dauern, bis er sich verflüchtigt) und ich betrachte zunächst ganz ehrfürchtig die großen Wollbälle, ehe ich meine Hände darin versinken lasse.

Die Knäuel sind doppelfädig gewickelt und haben eine Lauflänge von 115m auf 100g, d.h. sie fallen in die Kategorie „bulky“ bzw. „super bulky“. Ich habe mit dieser Wollstärke bisher vor allem aus Preisgründen nicht gestrickt – im Handel kostet chunky Garn gerne das Doppelte. Dann ist noch nicht einmal garantiert, dass es ethisch, fair und umweltfreundlich produziert wurde.

Ein besonderes Strickprojekt: Der #GracePullover von Bayron Handmade

Bei der Wahl eines Strickmusters achte ich auf verschiedene Aspekte. Natürlich muss mir das Design gut gefallen, aber ich achte gezielt auch auf die Designerin: Teile ich ihre Werte? Achtet sie auf Diversität und Inklusion sowohl in ihren Designs wie auch in ihrem „Marketing“ (dazu gehört für mich auch der Online-Auftritt allgemein). Kurzum: möchte ich diese Designerin mit meinem Geld unterstützen?

Für meine Crowdfarming-Wolle begab ich mich auf die Suche nach einem ganz besonderen Projekt und musste nicht lange suchen: Der #GracePullove von Bayron Handmade ist schon lange in meinen Favoriten auf Ravelry.

Denise Bayron of Bayron Handmade is a wonderful and inspiring designer. Here’s what she says about herself on her blog:

After 15 years of working as an executive in the fast fashion industry in NYC, she transitioned to patternmaking as a means of reconciling her love of fashion with a desire to live more sustainably. Making a wardrobe by hand enables one to source materials more sustainably and control the waste that is produced in the process

Denise Bayron: About at www.bayronhandmade.com

Grace ist ein kuscheliger, simpler, aber dennoch eleganter Raglan-Pulli, der von oben nach unten gestrickt wird. Das Design ist kurz geschnitten, kann aber unkompliziert nach unten hin verlängert werden. Die Anleitung ist klar strukturiert und auch für Anfänger:innen gut geeignet. Selbst das Zopfmuster ist wirklich simpel und wird von Denise in einem Videotutorial ausführlich erklärt.

Mein Strickprozess

Damit der Halsausschnitt schön elastisch bleibt, habe ich den „German Twisted Cast On“ als Maschenanschlag genutzt. Diesen nutze ich normalerweise vor allem für Mützen oder Ärmelbündchen, die von unten nach oben gestrickt werden. Anstatt verschiedene Rundnadeln in Gr. 8cm zu kaufen nutzte ich ein Paar mit einem 80cm Kabel. Die engeren Stellen des Pullis (Ausschnitt, früher Raglan, Ärmel) stricke ich mit Magic Loop. So muss ich keine Nadeln kaufen, die dann eh den Rest des Jahres nur in einer Kiste liegen.

Die Wolle verarbeitet sich angenehm und bei 100% Naturwolle, kann ich auch (erfolgreich) ausprobieren, ein neues Knäuel „einzufilzen“, anstand den dricken Faden dann einweben/-nähen zu müssen. Es funktioniert einwandfrei!

Ich habe sowohl den Rumpf, wie auch den Ärmel länger gestrickt, das ist eine Standardanpassung bei mir. Außerdem habe ich entgegen der Empfehlung um die Taille sehr eng abgekettet, damit der Pulli sich etwas näher an den Körper schmiegt. Für die Ärmelbündchen bin ich auf 6mm Nadeln umgestiegen, hier habe ich dann aber locker abgekettet.

Der fertige Pulli ist kuschelig und warm und perfekt für die frostigen Januartage derzeit.

Die Wolle trägt sich angenehm und weich und kratzt nicht, obwohl ich relativ empfindliche Haut habe. Und das Beste? ich habe insgesamt nur ca. 350g Wolle für den Pulli gebraucht, sodass noch genug übrig bleibt um eine #AnydayVest von Lily Kate Makes zu stricken. Für diesen Pullunder möchte ich mich am Färben probieren … Daumen drücken, dass das klappt!

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